Peter
G.
Zöls
Traumzeit
Eine Phänomenologie der Träume
2008
ISBN 978-3-8370-8283-8, Paperback, 260 Seiten
Einleitung
Über die Bedeutung
des Schlafes und des Traums haben sich seit Sigmund Freud die Psychologen,
Psychiater und Neurologen ausführlich ausgelassen aber oft wird
bei dieser Sichtweise unsere unschuldige nächtliche Geistestätigkeit
nur als Kompensativ einer unterdrückten oder kranken Natur betrachtet.
Jeder scheint
dabei mit seiner eigenen
persönlichen Sichtweise an dieses
Thema heranzugehen und bekommt wohl auch die entsprechende Reaktionen. Wer nicht an den Sinn seiner Träume glaubt, wird vielleicht
auch nichts träumen oder nur "Unsinn" Und wer an die
Verdrängungsthese glaubt, wird sicher von phallischen oder vaginalen Objekten
heimgesucht werden und am Ende vielleicht meinen, dass eine Symphonie von
Beethoven in verdrängen
Sexualphantasien begründet ist. Aber alle diesbezüglichen Phänomene auf nur
ein einziges Grundmuster zu reduzieren wäre wohl zu "einfach"
L E S E PR O B E
Zunächst stelle ich einige
Philosophen und ihre
Sichtweise zu dem Thema Träume vor, um dann mit einer Auswertung der eigenen
Texte zu beginnen. (Sokrates, Kant, Heraklit, Empedokles, Leibnitz,
Nietzsche, Goethe, Stirner , Hartmann, Descartes, Hobbes, Stirner,
Montaigne, Pascal)
Hiervon nun
bin ich selbst meinesteils ein Liebhaber,
o Phaidros, von diesen Teilungen und Zusammenfassungen
nämlich, um sowohl reden als auch denken zu können: und wenn ich von irgend
einem anderen der Ansicht bin, dass er
das zur Einheit und zur Vielheit sich Bestimmende einzusehen vermöge, dem gehe
ich nach, auf dem Fuß ihm folgend als einem der Götter, ob ich jedoch
diejenigen, die es zu leisten vermögen, richtig bezeichne oder nicht, das weiß
ein Gott: ich nenne sie aber bis jetzt
Dialektiker.
Sokrates hatte die
Bedeutung der Orakel und der Träume erkannt und sich
Aber weshalb
halten sich wohl einige so gern seit langer Zeit zu mir? Das habt ihr gehört,
Athener, ich habe euch die ganze Wahrheit gesagt, dass sie nämlich diejenigen
gern mögen ausforschen hören, welche sich
dünken, weise zu sein, und es nicht sind. Denn es ist nicht
unerfreulich. Mir aber ist dieses, wie ich behaupte, von dem Gotte auferlegt zu
tun durch Orakel und Träume und auf jede Weise, wie nur je göttliche Schickung
einem Menschen etwas auferlegt hat zu tun.“
[Platon: Des Sokrates Verteidigung, S. 34. Digitale
Bibliothek Band 2:Philosophie, S. 284 (vgl. Platon-SW Bd. 1, S. 26)]
Leibniz
Und wie
Sophisma eigentlich eine Weisheitsübung bedeutet, so bezeichnet Enthusiasmus,
dass eine Gottheit in uns walte. Est Deus in nobis (In uns waltet ein Gott).
Sokrates behauptete auch, dass ihm ein Gott oder Dämon innere Kundgebungen
mache, so dass Enthusiasmus ein göttlicher Instinkt wäre 1
Leibniz sieht zwar
zwischen sinnlichen Empfindungen und den Phantasiebildern der Träume
einen Unterschied aber das Mehr oder Weniger würde dabei
im Wesentlichen nichts ändern Obgleich
die sinnlichen Empfindungen lebhafter als die Phantasiebilder seien, so
gäbe es doch Fälle , bei denen Personen von starker Einbildungskraft durch
ihre Phantasiebilder ebenso oder vielleicht mehr als ein anderer durch die
Wirklichkeit gefesselt würden. Leibniz
sieht daher für das wahre Kriterium hinsichtlich der Sinnengegenstände
den Zusammenhang der Erscheinungen,
d.h. die Verknüpfung dessen, was an verschiedenen Orten und zu verschiedenen
Zeiten und in der Erfahrung der verschiedenen
Menschen vor sich gehe, welche in dieser Hinsicht einander selbst sehr
wichtige Erscheinungen seien. Die Verbindung der Erscheinungen aber, welche die
tatsächlichen Wahrheiten in Hinsicht der sinnlichen Dinge außer uns verbürgt,
wird demnach mittels der
Vernunftwahrheiten bewährt, wie die Erscheinungen der Optik durch die Geometrie
ihre Aufklärung erhielten.
Allerdings müsste man
zugeben, dass diese ganze Gewissheit nicht eine des höchsten Grades sei. Denn
es sei , metaphysisch gesprochen, nicht unmöglich, dass es einen so
konsequenten und langandauernden Traum geben
könne, wie das Leben eines Menschen; aber das sei etwas so
Vernunftwidriges, als wenn man sich ein Buch denken wollte, das durch Zufall
gebildet würde, indem man die Drucklettern bunt durcheinander wirft.
Wenn die Erscheinungen nur verbunden seien, wäre
wirklich auch nicht daran gelegen, ob man sie Träume nennt oder nicht, weil die
Erfahrung zeige, dass man sich in den um der Erscheinungen willen genommenen
Maßregeln nicht täusche, wenn sie nach Maßgabe der Vernunftwahrheiten
genommen würden.
Diese Vernunftwahrheiten bei Leibniz können wir unter
der Voraussetzung einer Geometrie des Raumes und Zeit, zu verschiedenen Zeiten
und zu verschiedenen Orten, die wir im Wachzustand erfahren, Gültigkeit haben,
doch außerhalb dieses Systems
könnten sie sehr wohl durch eine
außerzeitlich wirkende "Vernunft"
verbunden sein, die wir allerdings nicht vollständig erfassen können.
Es ist Tatsache, dass wir im
Zustand des Schlafes den zeitlichen und räumlichen Bezug weitgehend verlieren,
daher Träume diese Dimension zu überschreiten scheinen. Was als Traum behalten
wird, ist nur das, was am Zensor
des Tagesbewusstseins vorbeigemogelt werden kann. Dabei kommt es aber
auch entscheidend darauf an, wie offen wir für solche Erfahrungen sind.
Wenn wir unsere Träume dokumentieren, sind wir aber
durchaus in der Lage, sie nach
Maßgabe der Vernunftwahrheiten hinsichtlich
Sinn und Inhalt zu ordnen, obwohl das keine einfache Aufgabe ist.
Es können Tagesreste
verarbeitet worden sein aber auch weit zurückliegende Ereignisse beleuchtet
und darüber hinaus auch zukünftige Prognosen erarbeitet werden. In
luziden Träumen können sich die Ebenen sogar
miteinander vermischen. Es scheint unzählig verschiedene Arten von Träumen zu
geben, bis hin zur Vision Wir verarbeiten diese Phänomene in der Regel nur in
unserem engen Erfahrungshorizont im Wachzustand, in dem wir gezwungen
sind, auf ganz bestimmte festgelegte Bedingungen
in Zeit und Raum zu reagieren, Das zwingt uns dazu, nur einen Bruchteil unserer
geistigen Möglichkeiten zu
realisieren, die sich auf Raum und
Zeit und damit auf streng
determinierte Gegebenheiten beziehen. Es darf aber als evident angesehen werden,
dass wir im Schlaf weitgehend das Gefühl für Zeit und Raum verlieren, unsere
Geistestätigkeit sich aber in dieser Zeit
fortsetzt. Wir nutzen unsere
diesbezüglichen Fähigkeiten wahrscheinlich zu wenig, denn
auch ein Großteil meiner eigenen Träume scheint dem Tagesbewusstsein
verhaftet zu sein, während die bedeutenden Träume wohl eher dann auftreten,
wenn sich diese „Verhaftungen“ lösen oder lockern. Oder wenn Konflikte
auftreten.
Das gibt unserem Geisteshaushalt nicht nur die Chance
sich zu stabilisieren und Daten zu
verarbeiten, sondern die Datenpakete nicht
allein aus der Struktur, sondern vom auch Inhalt und der Bedeutung her zu
bewerten und ordnen. Diese Daten sind im Unbewussten viel effizienter und viel
kompakter gespeichert , als im Bewusstsein. Das liegt ganz einfach daran, dass
sie hier nicht erst sprachlich umgesetzt werden müssen, sondern Erinnerung,
Bild, Gefühl und Wille bilden hier noch eine Einheit, die
am ehesten in Form
von Metaphern oder einer Art von Bildersprache herübergebracht werden
können.
Wahrnehmen und Verstehen ist
in dieser Ebene noch nicht streng getrennt. Das haben wir in unserem
Tagesbewusstsein weitgehend verlernt und deshalb fällt es uns so schwer, uns
damit auseinander zu setzen, denn unser Lebensraum im Wachzustand wird
wesentlich durch die Sprache und ihre Definitionen bestimmt. Und die verlangt
fortwährende Analyse der Gegebenheiten, streng nach ihren eigenen
Gesetzmäßigkeiten, nicht nur jene nach Zeit und Raum geordneten, sondern auch
um Bedürfnisse der anderen menschlichen Spezies zu erfüllen oder nicht zu
erfüllen, die sprachlich an uns herangetragen werden. Nun
hat die Sprache, die durch das Elternhaus vermittelt wird und durch
Strukturen wie Schule Universität und Gesetzgebung verfeinert, auch eindeutig
administrativen Charakter.
Die
gemeinsame Welt der Wachenden
80. Man soll
aber wissen, dass der Krieg das Gemeinsame ist und das Recht der Streit, und das
alles durch Streit und Notwendigkeit zum Leben kommt.
81. [Die
rednerische Unterweisung zielt mit all ihren Lehrsätzen auf diesen Punkt und
ist ] Führer zur Abschlachtung.
88. Und es ist immer ein und dasselbe was in uns wohnt:
Lebendes und Totes und das Wache und das Schlafende und Jung und Alt. Wenn es
umschlägt, ist dieses jenes und jenes wiederum, wenn es umschlägt, dieses.
89. Die Wachenden haben eine gemeinsame Welt, [doch im
Schlummer wendet sich jeder von dieser ab an seine eigene.] 1
Wenn ein und das dasselbe in uns wohnt, lässt sich
daraus die These ableiten, dass das Tagesbewusstsein auch
nichts weiter als ein kollektiver
Traum ist. Was uns im Wachzustand begegnet ist im wesentlichen auch
Selbstbehauptung, tatsächlich so eine Art von Krieg, in dem wir gezwungen sind
unsere eigenen Ansprüche durchzusetzen. Das
geschieht hauptsächlich über das Medium der Sprache in der wir auch denken.
Wir leben in einer sprachlich
definierten Welt.
Ich gehe im folgenden Kapitel deshalb näher auf die
Sprache ein, um aufzuzeigen, wo die Grenzen dieser Kommunikationsform in der
gemeinsamen Welt der Wachenden liegen um daraus vielleicht deutlich zu machen,
dass darüber hinaus alternative Informationsquellen in unserer eigenen Welt des
Schlummers und der Träume vorhanden sind.
Die Ansprüche, die die
sprachlich orientierte Administration an uns stellt, sind solche, die
sich im wesentlich an Normen der Ethik orientieren, also denen des gedeihlichen
Zusammenlebens solcher Individuen, die sich notgedrungen im Spannungsverhältnis
zu anderen gesetzt sehen. Dabei
bedeutet ein Mehr an Sprache immer auch ein Mehr an Selbstbehauptung, dies gilt
besonders für die Bereiche, die komplexe sprachlich-begriffliche Systeme
entwickelt haben und letzthin in solche der Staatsführung münden.
Es sollte aber nicht vergessen werden, dass der Glaube an
die magische Kraft der Worte, in die unsere Sprache noch hinabreicht ,stets
hinterfragt werden sollte. Noch heute hat jedes Ding sein Geschlecht und ich
frage mich manchmal , warum der beispielsweise der Stuhl
oder der Mond
männlich sein soll. Und die Begriffe?
Begreifen kann man nur etwas mit der Hand, nicht allein
mit dem Kopf oder mit Worten. Das zeigt,
dass die Sprache schon in sich selbst widersprüchlich.
ist.
Wenn ich Baum sage, meine ich den Baum, weiß aber
auch, dass dieses Wort allein nicht die gesamte Existenz des Baum-Seins
erfassen kann und dass es dem Baum völlig gleichgültig
sein kann , wie ich ihn nennen will.
Einen Bezug könnte ich nur mit ihm herstellen, wenn ich ihm auf
sinnliche Weise begegne, d.h. dass ich ihn sehen und fühlen kann. Diese
Erfahrung sollte ich nicht weiter
hinterfragen. Das Wort Baum allein
ist auch nicht mehr als ein Traum,
weil es in uns Assoziationsketten und entsprechende Bilder erzeugt, die
nicht unbedingt streng an den sinnlichen
Bezug gebunden sein müssen. (z.B. als Metapher) .Es ist eine sprachliche
Information, ein Zeichen, nicht
mehr. Den Rest träumen wir dazu.
Ähnlich geht es mit dem Stimmengewirr und
den widersprüchlichen nicht verifizierbaren Begriffen vieler Politiker ,
rednerische Unterweisungen die nach Heraklit der Abschlachtung dienen
können. Wer ist überhaupt noch in der Lage auf die Fülle der
Begriffsgespenster in der Grauzone zu
reagieren, die alle auf sprachlichen Setzungen beruhen, die das einzelne
Individuum nicht mehr
nachvollziehen kann. Was wir von all dem "begreifen" können , ist
vielleicht nur die Tatsache, dass der Brotkorb
immer höher gehängt wird und alles teurer wird. Begriffe lassen uns
kalt, wenn wir das Gefühl haben, dass sie
uns nicht
mehr erreichen. Tatsache ist, dass sich einige
mittels ihrer überlegenen suggestiven
Sprache die Taschen voll stopfen. Das ist in Wahrheit der Krieg der
Systeme, so überzeugend Sprache auch immer daherkommen mag, die sich
aber beim Näheren hinsehen oft als Täuschung entlarvt. So tötet man ja am
wirkungsvollsten mit der Intrige, d.h. mit absichtlich falschen sprachlichen
Informationen, nicht nur einzelne Individuen, sondern auch unbequeme
Randgruppen. Die Sprache scheint zu einer
"Waffe" heruntergekommen
zu sein, weniger als Kommunikationsmittel, die sie eigentlich ursprünglich
gewesen zu sein scheint.
So gehen die
Worte oft aneinander vorbei besonders
wenn es um die Durchsetzung unsere eigenen Bedürfnisse geht, man denke
in diesem Zusammenhang an die manchmal so
sinnlose Juristerei, an die spitzfindigen
Advokaten, die oft endlose Prozesse mit
Aktenbergen die keiner mehr liest und bei
denen man am Ende glaubt, den Verstand verloren zu haben. Am Ende gewinnt aber
immer der Stärkere und zwar der, der am meisten Geld hat.
Sprache kann auch ideologisch oder fachwissenschaftlich manipuliert werden, wenn man z.B. an die linke Geschichtsforschung denkt,
oder an die braune. Forschung scheint immer auch irgendwie subjektiv getönt zu
sein. Man führe sich in diesem Zusammenhang nur die Sprach-Demagogen im
sogenannten 3. Reich vor Augen, die frei nach Heraklit
tatsächlich ihrem Führer der Abschlachtung gefolgt sind.
Darüber hinaus haben wir auch ein existenzielles
Bedürfnis nach der Nähe anderer, können
aber dieses Bedürfnis nicht immer realisieren
, weil uns ständig einschränkende
verbale Tag-Traum-Denkraster nach
den Begriffen Alter, Stand, Beruf, Rechenpfennigen,
Rentenloch, Staat, Gesellschaft, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, geschönte
Statistiken, Parteien, Fortschritts- sonstige Glaubenssysteme
und diffuse Begriffsgespenster im
Wege sind. Alles im Gleichklang mit dieser pervertierten Werbetrommel, die uns
ihren unreflektierten Geschmack von Schönheit ,Jugend und Gewalt einhämmern
will, die selbst vor unseren Kindern nicht halt macht. Das haben wir wohl
inzwischen so weitverinnerlicht, dass wir dieses Denken in der Sprache nicht
mehr abstellen können, zum Teil hohle
Träume, die wir im Wachzustand über uns ergehen lassen müssen., die aber mit
unserer inneren Realität und unseren eigentlichen Bedürfnissen
keinen Zusammenhang mehr haben. Solche Realität tritt uns nicht allein
entgegen als solche in Zeit und
Raum, sondern auch als Unterwerfung
unter fremden Willen. Damit haben wir uns ein rotierendes Denken eingehandelt,
das sich immer nur um seine spezifischen Inhalte dreht, allerdings ohne
Sinnvermittlung und ohne Energiezufuhr. Die ziehen uns diejenigen ab, die unsere
Aufmerksamkeit fordern, manchmal mit Einschüchterung, manchmal mit Gewalt.
Zugang zu unserem eigenen Potenzial erfahren wir nur im Schlaf oder in der
Meditation, in der wir uns von der gemeinsamen Welt der Wachenden abwenden und
uns in unsere eigene Welt begeben.
Diese Problematik unserer Kommunikationsform scheint auch
Heraklit bereits erkannt zu haben
Mit dem Worte, mit dem sie doch am meisten beständig zu
verkehren haben, [dem Lenker des Alls, entzweien sie sich, und die Dinge, auf
die sie täglich stoßen, scheinen
ihnen fremd.1
Für dies Wort [Weltgesetz] aber, ob es gleich ewig ist,
gewinnen die Menschen kein Verständnis, weder ehe sie es vernommen noch sobald
sie es vernommen. Alles geschieht nach diesem Wort, und doch gebärden sie sich
wie Unerprobte, so oft sie es probieren mit solchen Worten und Werken,
wie ich sie künde, ein jegliches nach seiner Natur zerlegend und
deutend, wie sich's damit verhält. Die anderen Menschen wissen freilich nicht,
was sie im Wachen tun, wie sie ja auch vergessen, was sie im
Schlafe [tun2
[Die
Schlafenden nennt, glaub' ich, Heraklit] Arbeiter
und Mitwirker an den
Weltereignissen.
Dieses Wort, das immer an den Anfang gestellt wird,
scheint bisher noch nicht ausreichend hinterfragt
worden zu sein. Kaum vorstellbar, dass ein Schöpfer Worte in unserer Sprache
artikuliert, um das Universum zu
erschaffen. Zum wem ? Es scheint
sich hier eher um eine Metapher zuhandeln . "Weltgesetz" als
positive Energieform bzw. Schwingung (Liebe) oder Urklang
würde da genauer hineinpassen.
Dieses "Wort" ist sicher in solchen Lettern
geschrieben, die wir nur ahnen können, aber nicht artikulieren. Eher
ganzheitlich fühlen. Da scheint es aber einige zu geben, die sich auf das Wort
berufen und vorgeben, es verstanden zu haben und von uns verlangen, dass wir
ihre Interpretation wörtlich nehmen. Eine absolute Vermessenheit (Der Glaube an
die Grammatik) Das ist der Beginn unserer
tiefen Spaltung, die Vertreibung
aus dem Paradies. Von diesem polemischen und zu oft auch heißen Kriegslärm
verscheucht , haben sich unsere ursprünglichen
geistigen Anlagen zurückgezogen in die Welt des Schlummers und der
Träume.
Auch die neuere oder postanalytische Philosophie vertritt nach Lyotard, ähnlich wie Nietzsche, und die moderne Wissenschaftstheorie und die Hermeneutik die Auffassung, dass wir auf beweglichen Fundamenten und gleichsam auf fließendem Wasser operieren müssen. Das sei im analytischen Kontext eine Konsequenz daraus , dass die Rede von einer Wirklichkeit an sich prinzipiell sinnleer sei, weil es Wirklichkeit immer nur als
„ Wirklichkeit unter einer Beschreibung“ gebe, dass wir
bei allem, was beschrieben werde, auf Beschreibungsweisen beschränkt seien..
Daher könnten wir von Wirklichkeit immer nur im Horizont prinzipiell
problematischer (nie letzt begründbarer) Prämissen und stets nur von einer
Wirklichkeitsversion neben anderen sprechen
Leider sind von den Werken Heraklits nur Fragmente
erhalten, vielleicht erfahren wir
deshalb nur wenig, wie er zur Liebe
steht, denn im Gegensatz zum Krieg ist die
Liebe, gleich wie wir sie nennen wollen, gerade auch die körperliche ( daran
sollte eigentlich nichts Unreines kleben) , das
verbindende Element, die unzweifelhaft neben der Selbstbehauptung zu den
Eckpfeilern unserer Existenz gehört. Für Heraklit ist es das Spiel der
Gegensätze, das zur Vereinigung führt.
Die Liebe lässt sich allerdings nur fühlen aber nicht
diskutieren. In diesem Fall wäre
sie sinn- und fruchtlos. Diese unumstrittene Tatsache ist ein unwiderlegbarer
Hinweis dafür, dass der Werkzeugcharakter der Sprache und somit unseres Denkens
unsere elementaren Bedürfnisse nur zum Teil mit Sinn erfüllen kann. Das
Gemüt aber ist der verbindende Faktor zwischen Tag - und Traumwelt. Wie ich
feststellen musste, gibt darüber hinaus in uns auch ein Denken bzw. eine
Intuition jenseits dieses
"Fliegengesumms" , das uns am ehesten in unseren Träumen begegnet.
Unzweifelhaft ist wohl auch, dass uns die Existenz trägt
wir aber nicht die Existenz. Das Denken allein trägt uns nicht. Unsere
Wurzeln und unsere Mitte liegen daher sehr viel tiefer als
die verbale Sprache uns vermitteln kann. Wenn wir Gottes Ebenbild sind,
sollten wir uns auch zu unserer Göttlichkeit bekennen, damit bewahren wir in
diesem, von Kants Rechtslehre geprägtem Umfeld, in der das Eigentum das
höchste Gut ist, auch unsere Würde. Schließlich bringen wir die ganze
Menschheitsentwicklung samt unseren vorgeburtlichen
Erfahrungen schon mit auf die Welt. Das ist unser persönliches mentales
Eigentum, das es mit gleichem Nachdruck zu schützen gilt, ohne uns von dem
Mammon entwürdigen zu lassen. Wir
haben in uns ein gewaltiges Wissengespeichert und setzen uns ständig in unserer
Traumarbeit damit auseinander, ohne
dass wir davon etwas zu ahnen scheinen.
Die
»Vernunft« in der Sprache: o was für eine alte betrügerische Weibsperson!
Ich fürchte, wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben.1
Aber damit
wird Heraklit ewig recht behalten, dass das Sein eine leere Fiktion ist. Die
»scheinbare« Welt ist die einzige: die »wahre Welt« ist
nur hinzugelogen...2
Die Fragmente von Empedokles, um bei den Vorsokratikern zu bleiben, vermitteln uns ein ergänzendes Bild. Hier wird auf die Wechselwirkung von Streit und Liebe näher eingegangen Wohl auf den einzelnen bezogen aber auch auf Gemeinschaften anwendbar. Allerdings eher auf den Bezug des einzelnen zu dieser Gemeinschaft. Da wird es naturgemäß unscharf. Aber in der Mitte, in dem Einen wohnt die Liebe, der Streit ist abgesondert von den Elementen. Der scheint später dazugetreten zu sein, denn im sogenannten goldenen Zeitalter kam man ohne ihn aus, weil es da wohl auch größere
1
[Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand,
S. 938.Digitale Bibliothek Band 2: Philosophie, S. 19096 (vgl. Leibniz-Abh.,
S.562)]
1
[Heraklit aus Ephesus:
Fragmente., S. 13. Digitale Bibliothek Band 2:Philosophie, S. 142 (vgl.
Diels-Vorsokr. Bd. 1, S. 95)]
1
[Heraklit aus Ephesus: Fragmente,
S. 11. Digitale Bibliothek Band 2
Philosophie, S. 140 (vgl. Diels-Vorsokr. Bd. 1, S. 92)]
2
[Heraklit aus Ephesus: Fragmente,
S. 11. Digitale Bibliothek Band 2:Philosophie, S. 140 (vgl. Diels-Vorsokr.
Bd. 1, S. 93
1
[Nietzsche:
Götzen-Dämmerung, S. 32. Digitale Bibliothek Band 2:Philosophie, S. 68893
(vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S.
960)]
2
[Nietzsche:
Götzen-Dämmerung, S. 28. Digitale Bibliothek Band 2:Philosophie, S. 68889
(vgl. Nietzsche-W Bd. 2, S.
958)]